01.10.07
Nachruf für Professor Dr. med. Dieter Emrich
geboren am 21.10.1929, gestorben am 23.09.2007
Professor Dr. med. Dieter Emrich wurde in Münster/Westf. geboren. Nach dem Abitur 1950 in Bielefeld und einer Kaufmännischen Lehre studierte er von 1952 - 1957 Medizin in Münster, Heidelberg und Freiburg.
Durch seine Dissertationsschrift an der Medizinischen Klinik der Universität Freiburg (Thema: "Tierexperimentelle Untersuchungen zur Kobaltwirkung auf den Eisenstoffwechsel") wurde sein wissenschaftliches Interesse geweckt. Staatsexamen und Promotion erfolgten 1957 in Freiburg.
Anschließend war Dieter Emrich Assistent an verschiedenen Freiburger Kliniken und im Albert-Schweitzer-Krankenhaus Northeim. 1959 - 1964 erfolgte die Weiterbildung als Internist an der Medizinischen Klinik der Universität Freiburg (Facharztanerkennung für Innere Medizin 1965). Zur gleichen Zeit begann seine klinische und wissenschaftliche Tätigkeit im Isotopenlabor der Medizinischen Klinik Freiburg unter dessen damaligem Direktor Professor Dr. Ludwig Heilmeyer. Seine Habilitationsschrift "Das Verhältnis von Thyroxin und Trijodthyronin in Schilddrüse und Plasma und seine Beeinflussung durch Thyreotropin" entstand aus der mehrjährigen Beschäftigung mit Fragen des Iod- und Schilddrüsenstoffwechsels. Nach der Fertigstellung folgte Dieter Emrich im Jahr 1965 Professor Werner Creutzfeldt, der auf den Lehrstuhl für Innere Medizin nach Göttingen berufen worden war, um dort ein Isotopenlabor aufzubauen. Im Jahr 1965 habilitierte sich Dieter Emrich in Göttingen für Innere Medizin und Nuklearmedizin. 1969 wurde er Oberarzt der Medizinischen Klinik an der Georg-August-Universität Göttingen, im gleichen Jahr erfolgte die Ernennung zum Professor und zum Leiter der Nuklearmedizinischen Abteilung. Im Jahr 1974 wurde er zum Ordentlichen Professor auf den Lehrstuhl für Nuklearmedizin der Universität Göttingen berufen und zum Direktor der Abteilung Nuklearmedizin ernannt. In der Zwischenzeit erweiterte Professor Dr. Dieter Emrich 1971/1972 seine nuklearmedizinischen Kenntnisse durch einen einjährigen Studienaufenthalt in den USA in Oak Ridge und im Johns Hopkins Hospital, Baltimore, den er mit der amerikanischen Facharztprüfung für Nuklearmedizin abschloss.
Herr Professor Emrich hat sich mit ganz unterschiedlichen für die Nuklearmedizin und Endokrinologie relevanten Problemen klinisch und wissenschaftlich befasst. Im Vordergrund stand die Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen. Im Jahr 1979 war er Präsident der Tagung Schilddrüse/Homburg, von 1985 - 1987 war er Sprecher der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.
Unter den weiteren Themen sind die nuklearmedizinische Kardiologie, Neurologie und Onkologie zu nennen. Hierbei stand bei Herrn Professor Emrich immer die kritische Selbsteinschätzung der Einordnung nuklearmedizinischer Untersuchungsverfahren im Spektrum aller medizintechnischer Verfahren und der klinischen Symptomatik im Vordergrund. So war er ein zutiefst ernst genommener Wissenschaftler und Kliniker, dessen ausgewogene Meinung im Fach Nuklearmedizin und auch außerhalb seines Faches großes Gewicht besaß.
Herr Professor Emrich hat mehrere Lehrbücher in den 1970er Jahren verfasst bzw. mitverfasst, die seinerzeit den Standard der Nuklearmedizin beschrieben, ferner mehr als 250 wissenschaftliche Originalarbeiten. Bei ihm wurden etwa 70 Dissertationen erstellt, weiterhin erfolgten 5 Habilitationen. Zwei seiner Mitarbeiter wurden auf Lehrstühle an Universitäten berufen, mehrere auf Chefarztpositionen.
Im Jahr 1986 richtete Herr Professor Emrich die Jahrestagung der Gesellschaft für Nuklearmedizin/ Europa in Göttingen/Goslar aus. Der Zusammenschluss der beiden seinerzeit konkurrierenden europäischen Fachgesellschaften für Nuklearmedizin zur EANM wurde in diesem Jahr beschlossen, ein Verdienst auch von Herrn Professor Emrich.
Aufgrund seiner großen Verdienste für die Nuklearmedizin wurde Herr Professor Emrich im Jahr 2003 zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) gewählt.
Nach seiner Emeritierung 1995 zog sich Herr Professor Dr. Dieter Emrich bewusst aus dem aktiven Wissenschaftsbetrieb zurück; er zog nach Bielefeld, wo er bis zuletzt in seinem Elternhaus wohnte.
Herr Professor Dr. Dieter Emrich war ein hervorragender Kliniker, ein bei seinen Studenten und Doktoranden geschätzter akademischer Lehrer und ein ernsthafter Wissenschaftler von großer Sensibilität, Tiefe und Selbstkritik. Die Nuklearmedizin hat ihm auch bezüglich der Anerkennung durch andere klinische Fächer sehr viel zu verdanken, er gehörte zu den Gründungsvätern des Faches Nuklearmedizin in Deutschland.
Wir trauern um Herrn Professor Dr. Dieter Emrich und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Köln und Münster, im September 2007
Harald Schicha, Otmar Schober