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Endokrinologie
  Presseinformationen
 
 
01.07.2001 - Neue Studie zeigt: Vermehrter Schilddrüsenhormonbedarf bei Frauen, die mit Östrogenen behandelt werden
 
Die Sektion Schilddrüse der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnt vor den Folgen einer zu geringen Schilddrüsenhormonsubstitution

Mehr als 2% aller Frauen (ca. 500.000 bundesweit) müssen in Deutschland wegen Funktionsstörungen der Schilddrüse lebenslang Schilddrüsenhormon einnehmen. Eine aktuelle Untersuchung (1) zeigt, daß bei gleichzeitiger Anwendung von Östrogenen, z.B. zur Emfängnisverhütung oder als Hormonersatzbehandlung, sich eine Unterfunktion der Schilddrüse entwickeln kann. In der zitierten Studie waren es
40% aller Frauen, bei denen eine Unterfunktion auftrat.
Folgen einer Unterfunktion sind:


Zentralnervensystem:
Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsschwäche


Haut:
trockene, kühle Haut


Herzkreislauf:
fehlende Belastbarkeit, langsamer Herzschlag,


Stoffwechsel
Gewichtszunahme, Verstopfung, ständiges Frieren, Anstieg des Choleste-rins



Ursache der Unterfunktion unter Östrogenen ist eine Vermehrung von Bin-dungseiweißen im Blut. Bindungseiweiße sind für den Transport von Schilddrüsenhormon zu den Organen verantwortlich. Durch die Zunahme der Bin-dungseiweiße kommt es zu einer stärkeren Bindung von Schilddrüsenhormon. Dadurch wird weniger Schilddrüsenhormon in den Geweben freigesetzt.

Berücksichtigt man die Häufigkeit einer Östrogenverordnung (die "Pille" ist immerhin Verhütungsmittel Nr. 1 in Deutschland), läßt sich die erhebliche Bedeutung für die Frauengesundheit abschätzen. Deshalb sollte bei Frauen mit Schilddrüsenhormoneinnahme die Verordnung von Östrogenen zu einer sorg-fältigen Überwachung der Schilddrüsenfunktion Anlass geben (2).

Besonderes Augenmerk muß auch auf die Schilddrüse von schwangeren Frauen gelegt werden. Liegt bereits vor der Schwangerschaft eine Unterfunktion vor, muß die Schilddrüsenhormondosis um bis zu 50% gesteigert werden, da es durch die von der Placenta gebildeten Östrogene zu gesteigerter Bildung der Bindungseiweiße kommt mit Abfall der Schilddrüsenhormonspiegel. Hierdurch ist die Versorgung des werdenden Kindes mit Schilddrüsenhormon gefährdet, was zu Entwicklungsverzögerung und Intelligenzminderung führen kann (3, 4). Deshalb wird in manchen Ländern eine generelle Überprüfung der Schilddrü-senfunktion in der Schwangerschaft empfohlen.