20. August 1999, 10.30-12.30 Uhr
Hauptgebäude der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Regina-Pacis-Weg 3, 53113 Bonn
Die Sektion Reproduktionsbiologie und -medizin der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie veranstaltet diesen Workshop, um auf die interdisziplinäre Bedeutung der Reproduktionsbiologie und -medizin hinzuweisen.
Sprecher der Sektion Professor Dr. W. E. Merz: "Weiterhin möchten wir aufzeigen welche große Bedeutung das Fach für die Volksgesundheit besitzt und Lösungsmöglichkeiten diskutieren, wie der Fortbestand dieser Disziplin in Deutschland gesichert werden kann. Als Stichworte für die Bedeutung dieses Gebiets für die Krankenversorgung seien genannt, das Mammakarzinom, die häufigste Krebserkrankung der Frau; jährlich erkranken ca. 47 000 Frauen in Deutschland, Uteruskarzinome mit mehr als 11 000 Neuerkrankungen pro Jahr und das Prostatakarzinom, nach dem Lungenkarzinom das häufigste Karzinom des Mannes mit mehr als 25 000 Neuerkrankungen pro Jahr, eine Erkrankung, die durch die steigende Lebenserwartung in zunehmenden Maße manifest wird".
Die genannten Erkrankungen sind eklatante Beispiele, daß eine moderne Therapie ohne die Endokrinologie nicht denkbar ist und eben nicht nur durch den Onkologen/Chirurgen bewältigt werden kann. Für andere Erkrankungen von enormer Bedeutung, wie die Endometriose, das polyzystische Ovar gilt das Gleiche. Die Betreuung Zehntausender Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch und Paaren mit Fertilitätsstörungen ist ebenfalls ohne intensive reproduktionsendokrinologische Diagnostik und Therapie undenkbar.
Zur Situation der Reproduktionsendokrinologie in Deutschland
Angesichts der dramatischen Entwicklung der Forschung auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin und -biologie in Deutschland und deren kurz- und langfristigen Folgen für die ärztliche Praxis und die Krankenversorgung hat die Sektion mit einer Analyse der aktuellen Situation und der Ausarbeitung von Lösungsvorschlägen begonnen. Die Zahl der universitären Einrichtungen in Deutschland mit dem Schwerpunkt Endokrinologie allgemein und insbesondere Endokrinologie der Reproduktion ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Dies hat wesentlich zu einer - Verminderung des wissenschaftlichen Nachwuchses - einer Verschlechterung der Ausbildungssituation in Reproduktionsbiologie und -medizin - und einem Forschungsrückstand geführt. Daraus ergibt sich längerfristig auch ein - Absinken der Qualität der Patientenversorgung und ein - Rückstand Deutschlands gegenüber der internationalen Entwicklung.
Generationenwechsel in den Endokrinologie
Es kommt hinzu, daß in der nahen Zukunft eine ganze Generation von Reproduktionsendokrinologen aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden. Dies wird Konsequenzen für die Forschungsförderung, gesetzgeberische, berufs- und standespolitische Maßnahmen haben. Auch hieraus ergeben sich Auswirkungen bis in die ärztliche Praxis und auf die Ebene der Krankenversorgung. Der Zeitpunkt ist erreicht, an dem diesen Entwicklungen nicht mehr wirksam begegnet werden kann, wenn nicht in allernächster Zeit wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Mit der oben dargestellten Problematik befaßt sich ein Workshop mit dem Titel "Endokrinologie der Reproduktion in der ärztlichen Praxis - Zukunft oder Untergang?" im Rahmen der diesjährigen Sektionstagung, die diesmal zusammen mit der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft zum Studium der Fertilität und Sterilität durchgeführt wird. In drei Referaten sollen die Situation analysiert, ausführlich diskutiert und Lösungsvorschläge ausgearbeitet werden. Vorträge
Reproduktionendokrinologie in Deutschland, Professor Dr. W. E. Merz
Die Zahl der geförderten Forschungsprojekte hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert. Die Projekte aus der praktischen Medizin sind in diesem Zeitraum nahezu völlig verschwunden. Dieses Faktum verlangt nach einer eingehenden Analyse.
Von der klassischen Endokrinologie zur Signaltransduktion - Konsequenzen einer Entwicklung für die akademische Medizin und Praxis, Professor Dr. Leidenberger
Methodische Entwicklungen prägen die Endokrinologie wie kaum ein anderes Fach. Dies beeinflußt Strukturen in Forschung und Praxis, das Zusammenwirken einzelner Disziplinen und wissenschaftspolitische Fragen. Bestehende Hindernisse, die aufgrund überkommener Strukturen und Denkweisen bestehen, müssen beseitigt werden, um eine effiziente und rasche Übertragung von Wissen in die ärztliche Praxis zu ermöglichen. Ein Schlüssel hierfür ist ein objektiver und das ganze Berufsleben umfassender Qualitätsnachweis. Die Ärzte und Wissenschaftler müssen sich dazu generell stärker den öffentlichen/politischen Implikationen ihres Handelns bewußt werden. Die Endokrinologie muß als innovative multidisziplinäre Fachrichtung anerkannt werden.
Die Bedeutung der Reproduktionsendokrinologie dokumentiert an Krankheitsbildern, Professor Dr. G. Leyendecker
Die Konsequenzen der gegenwärtigen Entwicklung für die Praxis sind enorm. Die Enstehung vieler gynäkologischer und andrologischer Krankheitsbilder und viele basale reproduktionsbiologische Abläufe sind bis heute ungeklärt. Dies führt u.a. zu erheblichen Problemen bei der Therapie. Die komplexe Struktur des endokrinen Netzwerks erfordert unabweislich, die Behandlung dieser Fragen in die Hände endokrinologisch denkender Wissenschaftler und Ärzte zu legen. Die reproduktive Gesundheit von Frauen und Männern ist ein unverzichtbares Grundrecht.
Prävention - wichtiger Beitrag seitens der Endokrinolgie
Es zeichnet sich darüber hinaus immer deutlicher ab, daß gerade die Endokrinologie ein bedeutendes präventives Instrument darstellt. Man weiß heute, um nur ein Beispiel zu nennen, daß ein polyzystisches Ovar sehr häufig mit erhöhten Risiken einhergeht, später an einem Endometriumkarzinom, an kardiovasulären und an Stofwechselstörungen zu erkranken, wie z.B. Typ II Diabetes.
Die reproduktionsbiologische Thematik spielt darüber hinaus für die Tierzucht und Landwirtschaft ebenfalls eine große Rolle und besitzt auch auf dieser Ebene eine große ökonomische Bedeutung.
Es ist vielleicht gerade heute notwendig darauf hinzuweisen, daß wir mit diesem Workshop nicht noch eine weitere Veranstaltung hinzufügen möchten, in der es vorrangig um Verteilungskämpfe geht und dabei die vielschichtige Problematik und erst recht Lösungsmöglichkeiten auf der Strecke bleiben. Teilnehmer am Workshop
Zu dem Workshop sind eingeladen, die Mitglieder der Sektion "Reproduktionsbiologie und -medizin" der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, die Mitglieder der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft zum Studium der Fertilität und Sterilität, Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesministeriums für Forschung und Technologie, des Bundestagsausschusses für Gesundheit, des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie interessierte Journalisten.
Pressestelle der DGE:
c/o Sabine Seifert, Hauptstraße 93 a, 61440 Oberursel, Telefon: 0 61 72 - 30 61 99, Telefax: 0 61 71 - 30 48 39, Mobil: 0171 - 800 45 61, eMail: Sabine.SeifertPR@t-online.de
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