Gemeldet nur 140.000 / 90 Prozent aller Frauen mit RU 486 zufrieden
Präambel
Nach der zur Zeit gültigen Rechtslage ist der Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich als Unrecht anzusehen und für die gesamte Dauer der Schwangerschaft verboten. Der Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation nach der Beratungsregelung ist ein Ausnahmefall. Die vorliegende Stellungnahme befaßt sich nicht mit der Schwangerschaftsunterbrechung als ethisches oder juristisches Problem, sondern ist getragen von der ärztlichen Verpflichtung, daß alle medizinischen Maßnahmen - unabhängig von der Indikation - so risikoarm wie möglich durchgeführt werden müssen. Unabhängig davon bleibt festzuhalten, daß sich ungewollte Schwangerschaften durch geeignete kontrazeptive Maßnahmen vermeiden ließen. Aus diesem Grund ist zu fordern, daß die Anstrengungen zur Weiterentwicklung der Kontrazeption verstärkt werden müssen. Hintergrund
Die medikamentöse Methode der Schwangerschaftsunterbrechung hat eine hohe Akzeptanz unter den Frauen. Die Vermeidung der Narkose sowie eines operativen Eingriffes sind von Vorteil. Darüber hinaus die positiven Erfahrungsberichte von Frauen, die RU 486 bereits genutzt haben und zu über 90 Prozent wieder diese Methode anwenden würden. In Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Schweden und USA ist die Methode unter besonderen Auflagen in autorisierten Kliniken bereits zugelassen. Der Abbruch mit Mifepriston, insbesondere in Kombination mit Prostaglandinen, stellt einen therapeutischen Fortschritt dar. Voraussetzung ist allerdings, daß die Substanz unter strenger medizinischer Kontrolle angewandt wird.
Weitere Anwendungsgebiete: Myome, Endometriose, Kontrazeption und Interzeption
Mifepriston ist vermutlich zur Therapie von Uterusmyomen und Endometriose geeignet. Nach einer dreimonatigen Therapie mit täglich 25 - 30 mg Mifepriston wurde bei uterinen Leiomyomen eine Volumenabnahme von 50 Prozent beobachtet. Bei ähnlicher Behandlung reduziert sich die Endometriose um 50 Prozent bei signifikanter Abnahme der Unterleibsschmerzen. Mifepriston kann erfolgreich zur Induktion von Frühaborten eingesetzt werden. Der Effekt hängt dabei weniger von der Dosis, sondern vor allem vom Zeitpunkt der Anwendung ab. Die Einnahme von 200 mg täglich zwischen dem 24. und 27. Zyklustag löst eine menstruationsähnliche Blutung aus - unabhängig davon, ob eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht. In gleicher Weise wirkt die Einnahme von 600 mg am Tag vor der erwarteten Menstruation. Ein regelmäßiger Einsatz als "Einmonatspille" ist jedoch nicht möglich, da im folgenden Zyklus mit einer Verzögerung der Folikelreifung und der Verschiebung der Ovulation zu rechnen ist. Abbruch in der Frühschwangerschaft mit Mifepriston
Die Wirksamkeit des Mifepriston läßt sich durch die zusätzliche Anwendung eines Prostaglandin-Agonisten in relativ niedriger Dosis erheblich steigern. Die bisherigen Untersuchungen zeigen eine hohe Wirksamkeit bei einer Schwangerschaftsdauer bis zu neuen Wochen. Nur bei 2 bis 5 Prozent der Patientinnen war eine zusätzliche operative Maßnahme notwendig. Grund hierfür war meist ein unvollständiger Abort, diese Rate stieg mit steigender Schwangerschaftsdauer. Bei ca. der Hälfte der Frauen traten abdominale Schmerzen innerhalb 48 Stunden nach der Mifepristongabe auf. Allerdings klagten nur 5 Prozent über schwere Schmerzen. Die meisten Schmerzen - 80 Prozent - wurden jedoch innerhalb 4 Stunden nach Prostaglandin-Applikation registriert. 30 Prozent der Patientinnen wurden mit parenteralen Opiaten und 30 - 45 Prozent mit oralen Analgetika behandelt. Die Nebenwirkungen nahmen mit Schwangerschaftsdauer zu und betrafen hauptsächlich Frauen in der ersten Schwangerschaft.
Abbruch im 2. Schwangerschaftstrimester
Mifepriston erleichtert und beschleunigt auch Prostaglandin-induzierte Spätaborte im zweiten Trimester. Die Rate an vollständigen Aborten wird jedoch nicht beeinflußt. Bis zur 23. Schwangerschaftswoche ermöglicht die einmalige Gabe von 600 mg Mifepriston eine erhebliche Reduktion der Dosis des Prostaglandin-Agonisten und damit der unerwünschten Wirkungen. Gleichzeitig wird das Zeitintervall bis zum Abort wesentlich verringert - es liegt im Durchschnitt bei 7 Stunden. Innerhalb von 12 Stunden trat bei 82 Prozent der Frauen ein Abort ein, doch wurde anschließend mehr als 50 Prozent nachkürettiert. Es bestand eine inverse Korrelation zwischen Parität und Abortinduktionsintervall. Erbrechen, Abdominalschmerzen, Vaginalblutungen, Kopfschmerzen und Diarrhoe traten als Nebenwirkungen auf. Bei Frauen, die 36 Stunden vor einem operativen Schwangerschaftsabbruch eine Dosis von 200 mg Mifepriston eingenommen haben, wird die Reifung der Zervix gefördert, so daß eine geringere Dilatation notwendig ist. Die Operationsdauer wird verkürzt, der perioperative Blutverlust und die Schmerzen verringert. Intrauteriner Fruchttod
Durch die zwei- bis dreimalige Gabe von jeweils 200 mg Mifepriston über 2 - 3 Tage läßt sich bis zur 34. Schwangerschaftswoche bei zwei Drittel der Fälle von intrauterinen Fruchttod eine Expulsion induzieren.
Kontraindikationen
Als mögliche relative Kontraindikationen für den medikamentösen Abort werden ein Alter von > 35, ein im Gang befindlicher Spontanabort, ektope Schwangerschaften, schweres Rauchen, Asthma, kardiovaskuläre Erkrankungen und eine Anämie diskutiert. Dazu kommt das limitierende Schwangerschaftsalter.
Geburtseinleitung am Termin
Bei Frauen in der 37. und 42. Schwangerschaftswoche mit ungünstigen Zervixparametern kann die Spontangeburt bei über 50 Prozent durch die Gabe von 200 mg Mifepriston über 2 Tage ausgelöst werden.
Vergleich mit operativem Schwangerschaftsabbruch
Tabelle:
Vergleich der medikamentösen mit der operativen Schwangerschaftsunterbrechung.
Schwangerschaftsabbruch mit RU 486 Operativer Schwangerschaftsabbruch
nicht-invasive Methode invasive Methode
zeitaufwendiges Verfahren rasche Durchführung
keine Narkose notwendig Narkose notwendig
frühe Abortinduktion möglich Abortinduktion erst ab der 7. Woche
Rate an vollständigen Aborten geringer Rate an vollständigen Aborten höher
Bestätigung des vollständigen Aborts nicht immer sofort möglich Beurteilung sofort möglich
Blutungen und Schmerzen häufiger Blutungen und Schmerzen seltener
höherer Blutverlust geringerer Blutverlust
häufiger Analgetika notwendig seltener Analgetika notwendig
Übelkeit und Diarrhoe häufiger Nebenwirkungen seltener
geringere Infektionsrate höhere Rate vaginaler Infektionen
hohe Akzeptanz geringere Akzeptanz
Juli 1999
Die Stellungnahme kann im Original bei der Pressestelle angefordert werden.
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Sabine Seifert PR
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