Bochum 20. Oktober 2003: Erstmals einheitliche Patienten-Leitlinien zur Osteoporose veröffentlicht.
Die Osteoporose gehört laut der Weltgesundheitsorganisation zu den zehn wichtigsten chronischen Erkrankungen unserer Zeit. Da die Menschen immer älter werden, wird die Krankheit zunehmend an Bedeutung gewinnen und unser Gesundheitssystem durch wachsende Kosten belasten. Für die Betroffenen ist die Erkrankung oft gleichbedeutend mit dauerhaften Schmerzen und Verlust an Unabhängigkeit. Osteoporose ist aber heute keine schicksalhafte Erkrankung mehr, die man ohne Gegenmaßnahmen akzeptieren muss. In den letzten Jahren hat es rasante diagnostische und therapeutische Fortschritte gegeben. Diese haben aus einer vormals zu spät und unbefriedigend zu behandelnden Erkrankung eine gut diagnostizierbare und behandelbare Erkrankung gemacht. Heute ist die Behandlung der Osteoporose in Bezug auf die Verhütung von Krankheitskomplikationen erfolgreicher als die Therapie vieler anderer chronischer Erkrankungen. Umso bedauerlicher ist es, dass gerade in Deutschland die derzeitige medizinische Versorgung von Patienten mit Osteoporose schlecht ist. Häufig wird das Problem gar nicht beachtet. Ein Großteil der Patienten, bei denen eine Therapie dringend notwendig wäre, erhält diese nur unzureichend. Umgekehrt wird viel Geld für teure Diagnostik und Therapien ausgegeben, wo dies unnötig wäre. Schuld daran sind die vielen widersprüchlichen Aussagen zur Diagnostik und zur Therapie, die Ärzte und Patienten gleichermaßen verunsichern.
Rechtzeitig zum Weltosteoporosetag wurden deshalb jetzt erstmals einheitliche Patientenleitlinien zur Osteoporose veröffentlicht. Sie wurden als Prämiere auf dem 3. Patientenkongress des Bundesselbsthilfeverbandes für Osteoporose am 18. Oktober in Marburg vorgestellt.
Die Leitlinie wendet sich an drei Gruppen von Personen, bei denen die Osteoporose besonders häufig ist: Frauen nach den Wechseljahren, Männer und Frauen im höheren Lebensalter und Männer und Frauen mit einer chronischen Glucocorticoid (Cortison)-Behandlung. Die Leitlinien sind die offizielle Empfehlung aller wissenschaftlichen und patientenorientierten Organisationen, die sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dem Thema der Osteoporose befassen. Gesamtkoordinator der Leitlinien ist der Endokrinologe Prof. Dr. med. Johannes Pfeilschifter von der Ruhr-Universität Bochum. Die Leitlinien sind eine Gemeinschaftsarbeit des Dachverbands der Deutschsprachigen Osteoporose-Selbsthilfegruppenverbände und Patientenorientierten Osteoporose-Organisationen (DOP), des Dachverbands Osteologie der Deutschsprachigen wissenschaftlichen Fachgesellschaften (DVO), der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV), und des Bundesverbands der Deutschen Rheuma-Liga e.V. (DRL). Ab nächster Woche sind die Leitlinien unter
www.bergmannsheil.de/leitlinien-dvo
dann auch im Internet zu erhalten. Gleichzeitig werden derzeit in ganz Deutschland inhaltlich identische „Kitteltaschenversionen“ der Ärzteversionen der Leitlinien verteilt. Die Ärzteleitlinien wurden von drei interdisziplinären Arbeitsgruppen unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin erarbeitet. Damit stehen nach einer mehr als vierjährigen Arbeit jetzt erstmals einheitliche Informationen zur Vorbeugung, Diagnose und Therapie der Osteoporose für den Arzt und die Patienten der qualitativ höchsten Entwicklungsstufe zur Verfügung. Von einer Umsetzung der Empfehlungen lässt sich sowohl eine Senkung der Frakturrate und der Folgeschäden, als auch der damit verbundenen Kosten erwarten.
Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
Professor Dr. med. Johannes Pfeilschifter
Oberarzt der Medizinischen Klinik I, Gesamtkoordinator der Leitlinien
BG-Kliniken Bergmannsheil Univ. Klinik, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum
johannes.pfeilschifter@ruhr-uni-bochum.de |